Die Tuchvilla

Autor: Anne Jacobs
Verlag: Blanvalet
Seiten: 704
Erscheinungsdatum: 15. Dezember 2014
Preis: 10,99€ als Taschenbuch und 9,99€ als eBook

 

Inhalt

Augsburg, 1913. Die junge Marie tritt eine Anstellung als Küchenmagd in der imposanten Tuchvilla an, dem Wohnsitz der Industriellenfamilie Melzer. Während das Mädchen aus dem Waisenhaus seinen Platz unter den Dienstboten sucht, sehnt die Herrschaft die winterliche Ballsaison herbei, in der Katharina, die hübsche, jüngste Tochter der Melzers, in die Gesellschaft eingeführt wird. Nur Paul, der Erbe der Familie, hält sich dem Trubel fern und zieht sein Münchner Studentenleben vor – bis er Marie begegnet…
(Quelle: Klappentext)

 

 

Meine Meinung

Band 1 der „Tuchvilla“-Saga.

Marie kommt nach dem Tod der Mutter ins Waisenhaus und fühlt sich dort überhaupt nicht wohl. Nach außen ist es ein gutes Haus, doch innen sind katastrophale Zustände. Als Marie eine Anstellung im Hause der Tuchvilla bekommt, ist sie glücklich. Zwar scheinen es die anderen Mitarbeiter nicht gut mit ihr zu meinen, doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Eine Tochter wird auf ihr schönes Gesicht aufmerksam und möchte sie gerne malen. Daraus entsteht eine Beförderung zur Kammerzofe. Die Damen des Hauses sind begeistert von dem jungen Mädchen und ihrem Gespür für Farben, Schnitte und Stoffe. Währenddessen versucht Marie aber auch mehr über ihre Mutter und ihren Vater herauszubekommen, doch gewisse Personen möchten nicht, das sie alles erfährt…
Marie war mir von der ersten Seite an sympathisch – sie lässt sich nicht unterkriegen und besteht auf gewisse Punkte, die für sie wichtig sind. Sie lässt sich zwar „mobben“, aber geht nie darauf ein, sondern beweist ihnen mit ihrer Art und Arbeit, das sie den Job verdient hat. Auch wenn es alle anders sehen. Ihr Ehrgeiz alles über ihre Familie zu erfahren, ist rührend und bewegend.

Katharina ist die jüngere Tochter und ein kleiner Freigeist. Sie liebt das Zeichnen und die Kunst – mit ihren Kopfschmerzen scheint sie immer wieder die beste Ausrede zu haben, wenn sie auf etwas keine Lust hat. Die Tochter schert sich wenig um die vielen Ränge, die zwischen ihr und Marie stehen, sondern möchte das Mädchen als Freundin haben. Sie hat eine nette und liebevolle Art wie sie mit ihr umgeht – sie ist nicht nur die Kammerzofe, sondern auch eine vertraute, die zuhört und auf Nachfrage ihre ehrliche Meinung sagt. Als es für Katharina Zeit wird zu heiraten, hat sie eine Unmenge an Männern, die ihr Leben gerne mit ihr verbringen möchten, doch sie hat andere Pläne…
Ich brauchte fast das gesamte Buch um mit Katharina warm zu werden – sie kam mir zu Beginn unglaublich ungekünstelt rüber. Ihre Haltung und ihre Aussagen sprachen allerdings vom Gegenteil. Man muss sie kennen lernen um aus ihr schlau zu werden.

Elizabeth ist die ältere Schwester von Katharina und das komplette Gegenteil – sie fühlt sich nicht hübsch, hat keine tolle Figur und ihr liegen die Männer nicht zu Füßen. Im ersten Moment scheinen die Männer immer begeistert zu sein, bis sie dann Katharina begegnen, die sie von den Socken reißt. Elizabeth ist auch die berechnende der beiden – sie ist auf ihren Vorteil aus. Zieht die Schwester mit wohlüberlegten Worten in Ungnade, aber trotzdem scheint sie etwas für die kleinere übrig zu haben.
Elizabeth war für mich der unsympathischste Charakter in diesem Buch, mit ihr bin ich einfach nicht warm geworden.

Paul ist der einzige Sohn und hat sein Leben bis jetzt in vollen Zügen genossen, aktuell hat er keine Lust mehr auf sein Studium. Der Vater hat die Nase voll und bringt ihn in der Fabrik unter. Der Junge soll alles lernen, starten auf der untersten Stufe im Unternehmen – als Praktikant. Paul ist alles andere als begeistert, denn er macht sich nebenbei immer noch Gedanken um Marie, für die er Gefühle entwickelt hat und sie an seiner Seite haben will…
Aus Paul wird man nicht wirklich schlau, was ich sehr schade fand. Ich war mir bei ihm nie sicher, ob er nicht doch ein zweites Gesicht hat. Doch die Sorge war unbegründet – er ist ein feiner Kerl.

Der Schreibstil ist schlicht und einfach gehalten, sodass man die Geschichte ohne Verständnisschwierigkeiten lesen kann.
Erzählt wird aus der Sicht von Marie, Elizabeth, Katharina und Paul, was einen guten Einblick in die jeweilige Gefühls- und Gedankenwelt gibt.

Bei historischen Romanen bin ich immer vorsichtig, denn ich bin kein großer Anhänger dieses Genres, aber „Die Tuchvilla“ konnte mich mit ihrer Familiengeschichte fesseln. Für mich war es überraschenderweise ein Pageturner, den ich tatsächlich an einem Tag weggelesen habe – somit war es gegen Ende des Jahres doch eines meiner Bücherhighlights aus 2017.
Ein klasse Buch und ich freue mich schon auf die Fortsetzungen!

🌟🌟🌟🌟🌟 Sterne

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